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  Medienpädagogik - Projekte


Medienpädagogische Projektarbeit im Waldkindergarten Burg, Offener Kanal Westküste

  • Projektbeschreibung
  • Überblick Projektverlauf
  • Projektverlauf



  • Projektbeschreibung

    Zeitrahmen:
    4 Wochen, zweimal wöchentlich dienstags und donnerstags Vormittag
    • (25.03. bis 17.04.03 Projekttage vor Ort)
    • 2 Tage zur Bearbeitung der Beiträge und Produktion der Sendung mit den Erzieherinnen
    • 1 Vormittag Besuch der Kinder im Sender (Studio)
    • 1 Vormittag gemeinsames Hörerlebnis der Ergebisse (Sendung) am Radiogerät


    Zielgruppe:
    Kinder von 3 - 6 Jahren des Waldkindergartens Burg (WaKiGa), Gruppe Waldwichtel

    Medien: Zum Einsatz kamen Kassettenrekorder, Mikrophon sowie Kopfhörer. Während des Studiobesuches wurde den Kindern erklärt und gezeigt, wie die Aufnahmen von der Kassette auf den Computer kommen und wie die Audiodaten dort bearbeitet werden können. Um die Frage zu beantworten "... aber das ist doch auf Kassette und wie kommt das denn ins Radio?" wurde den Kindern ebenfalls gezeigt, wie das Band später im Radio zu hören sein wird.

    Ergebnisse:
    Abbau von Ängsten z.B. ins Mikrophon zu sprechen, Kennenlernen von Medien wie Kassettenrekorder, Förderung der Wahrnehmung durch gezieltes Hinhören / Aufnehmen, aktive Mediennutzung (vom Hörkassettennutzer zum Produzenten) etc. ... (siehe Dokumentationmaterial)

    Arbeitsweisen:
    Durch eigenes Ausprobieren - learning by doing - haben die Kinder Ängste abbauen, überwinden und dabei neue Erfahrungen sammeln können. Stück für Stück -übers Hören- haben wir uns an die praktische Arbeit herangetastet. Die Kinder haben den Umgang mit der Technik durch eigenes Zusammenbauen von Mikrophon, Kabel, Kassettenrekorder und das richtige Einlegen der Batterien und Kassette kennengelernt.

    Finanzierung:
    Da die Offenen Kanäle aus einem geringen Teil der GEZ-Gebühren finanziert werden, sind die Angebote der Offenen Kanäle in Schleswig-Holstein kostenlos. Die entstandenen Kosten werden aus dem Haushalt des Offenen Kanals beglichen.

    Resonanz:
    Kinder, die anfänglich den Umgang mit dem Kassettenrekorder und Mikrophon ablehnten, nahmen schon nach ein paar Vormittagen das Mikrophon selbständig in die Hand und haben ganz alleine aufs Band gesungen oder gesprochen. Die meisten Kinder sind schnell über ihre eigenen Grenzen hinaus gewachsen und konnten die Radiovormittage kaum noch abwarten. Noch heute besteht ein gelegentlicher Kontakt mit den Kindern des WaKiGa Burg. Aus diesem Projekt ist das Folgeprojekt Klangwerkstatt mit anderer Zielsetzung entstanden. Die Eltern haben uns toll unterstützt und fragten häufig nach, was wir als nächstes vorhaben. Das lag sicherlich auch daran, dass die Kinder zu Hause immer wieder erzählt haben, was wir den Vormittag über gemacht haben. Viel positive Resonanz von Außenstehende gab es aufgrund der Zeitungsartikel.

    Angaben zur Person/ Institution:
    Offene Kanäle sind Bürgermedien. Der Offene Kanal Westküste ist ein Hörfunksender mit Sitz in Heide, sowie Außenstudio in Husum. Das Programm wird nicht von bezahlten Journalisten, sondern von Bürgerinnen und Bürgern gestaltet. Durch die aktive Medienarbeit wird ein allgemeiner Einblick in das Funktionieren von Massenmedien erworben, der zur verbesserten Medienkompetenz führt. Zur Qualifizierung von Lehrkräften und in der Folge von Schülerinnen und Schüler findet eine enge Zusammenarbeit zwischen Offener Kanal und Schule statt. Einen Schritt weiter geht die frühzeitige Medienkompetenzvermittlung bei Kindern. Durch Projektarbeit mit Erzieherinnen und Erzieher kann bereits im Vorschulalter mit der Auseinandersetzung mit Medien begonnen werden.

    Zielsetzung:
    Die Kinder sollen Ängste abbauen und überwinden, für den sinnvollen Umgang mit den Medien sensibilisiert werden (gezieltes Einsetzen von Medien). Spielerisch wurden die Kinder an die Technik herangeführt und das Verstehen von Zusammenhängen geschult (....wie kommt meine Stimme ins Radio?).


    Medienpädagogische Ziele

    Die Kinder können:
    • die Möglichkeit ihres Hörsinns erkunden und so differenzierte akustische Wahrnehmung erreichen. Diese Sensibilisierung für akustische Reize, Klänge, Stimmen und für Geräusche ist eine Voraussetzung für die Fähigkeit zu bewußter, zielgerichteter Wahrnehmung.
    • ihre Ängste abbauen und überwinden. Durch eigenes Handeln sich auf die Suche nach Lösungen begeben.
    • den selbständigen, kreativen und spielerischen Umgang mit technischem Gerät erproben. In der Aufnahmesituation erkunden sie die Funktionsweisen des Kassettenrekorders und des Mikrofons.
    • Einblick in die Produktion von Beiträgen und Sendungen erhalten.
    • im Gruppenerleben soziale Kompetenzen weiterentwickeln.
    • animiert durch das Medium, ihre Phantasie anregen, in Wort und Ton zum Ausdruck bringen und so ihre Ausdrucksmöglichkeiten erweitern.
    • Öffentlichkeit für sich und die eigenen Interessen schaffen.
    • Desweiteren haben die Kinder die Möglichkeit, sich mit eigenen Gefühlen (Wut, Ärger, Traurigkeit, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Schwäche, Stärke, sich unverstanden fühlen etc.) auseinanderzusetzen und
    • ihr Selbstbewußtsein stärken.



    Projektverlauf im Überblick

    1. Phase
    Einstieg in die Welt des Hörens
    • Schulung des Hörsinns durch Konzentrationsübungen
      Was hörst Du?
    • Geräusche erkennen und raten (Wahrnehmungsspiele - Hör genau hin)
    2. Phase
    Experimente mit dem Kassettenrekorder
    Play - Stop und wie ein Kassettenrekorder funktioniert
    • Technische Einführung in die Arbeit mit Kassettenrekorder und Mikrophon, experimentieren mit Geräuschen, Stimmen und Ratespiele beim Abhören der Aufnahmen
      Auf die Geräuschejagd-fertig-los
    • Aufzeichnung von natürlichen Geräuschen, Vogelgezwitscher, Kinderstimmen, raschelndes Laub oder Geräusche aus der Ferne usw.
    3. Phase
    Beiträge für die Sendung entstehen
    • Jetzt klappt das Zusammenbauen von Kassettenrekorder und Mikrophon, das Einlegen der Batterien und der Kassette schon von alleine
    • Aufteilung in Gruppen der Entwicklung und Altersstufe der Kinder entsprechend (3 und 4-jährige, Fortgeschrittene und Schulkinder)
    • Lieder singen, ob alleine oder in der kleinen Gruppe
    • Tierrätsel (Tiere aus dem Wald beschreiben ohne zu sagen, um welches Tier es sich handelt)
    • Richtiges Verhalten im Wald
    • Wünsche an Waldbesucher
    • Waldfeen, Wichtel und Stolperzwerge dürfen auf dem Tonband nicht fehlen (Kinder erzählen ihre Geschichten über die Fabelwesen)


    Nachbereitung
    Die einzelnen Beiträge werden zur Bearbeitung auf den Cutmaster (Schnitt-Computer) überspielt und von den beiden Erzieherinnen mit Mitarbeiterunterstützung bearbeitet.
    Wie kommt die Kassette ins Radio?
    • Besuch der Kinder im Sender sowie Studio

    Gemeinsames Hörerlebnis der Ergebnisse (Sendung) vor dem Radiogerät am nächsten Tag


    Projektverlauf

    Schulung des Hörsinns durch Konzentrationsübungen

    Ort: Waldsofa im Wald
    Gruppe: 18 - 20 Kindern, 1 Medienassistentin, 2 Erzieherinnen, 3 Praktikantinnen

    Unser Projekt gliedert sich in drei Phasen. In der ersten Phase steigen wir in die Welt des Hörens ein. Wir sind während des gesamten Projektzeitraumes im Wald. Der Waldkindergarten hat kein festes Gebäude oder Raum zur Verfügung. Im Burger Wald hat die Kindergartengruppe Waldwichtel einen festen Platz (Waldsofa), an dem das Frühstück eingenommen wird. Hier sucht sich jeder einen bequemen Platz und schließt die Augen. Nun konzentrieren wir uns und lauschen den Geräuschen, die uns umgeben. Was können wir hören? Vögel, Blätter, den Wind und in der Ferne die Eisenbahn. Die Kinder sind sehr konzentriert bei der Sache. Während sie auf dem Waldsofa sitzen, frage ich die Kinder, was sie hören und sie erzählen leise und lauschen weiter den Geräuschen im Wald.
    Nach fünf Minuten öffnen wir die Augen und sammeln noch einmal, welche Geräusche wir wahrgenommen haben.
    Nach einer spielerischen Pause hören wir gemeinsam Aufnahmen von einer Kasette mit Geräuschen, die in einem ganz anderem Umfeld wie z. B dem Bauernhof zu finden sind. Die Geräusche sollen erkannt und erraten werden. Die Kinder bringen die Geräusche gleich in Verbindung mit dem eigenen Umfeld und erzählen, woher sie diese Geräusche kennen.

    In der zweiten Phase wird mit dem Kassettenrekorder experimentiert. Wir sitzen alle im Kreis auf unserem Waldsofa. Die einzelnen Teile, die für die Reportage-Einheit benötigt werden, liegen in der Mitte (Kassettenrekorder, Mikrophon, Kabel, Kopfhörer, Batterien, Kassette) Gemeinsam erarbeiten wir, welches Teil wo seinen Platz hat. Während anfänglich die Erzieherinnen bzw. die Praktikanten die Aufgabe des Zusammenbauens übernehmen, wollen die Kinder früh selber diese Aufgaben übernehmen. Ganz schnell haben die Kinder raus, welche Taste "Play" ist und welche Taste das Band stoppt. "Das ist ja wie bei meinem Kassettenrekorder von der Gute-Nacht-Geschichte zu Hause", finden einige der Kinder rasch heraus. In kleinen Gruppen geht es in die vielen verschiedenen Ecken des Waldes. Als erstes halten wir das Mikrophon in die Luft und nehmen auf, was wir gerade hören. Wir rascheln mit den Blättern und Ästen und laufen durch das Laub am Boden. Mit einem Stock schlagen wir gegen ein Stück Holz. Wieder an unserem gemeinsamen Treffpunkt zusammengekommen, hören wir uns die Ergebnisse in der großen Gruppe an. Das Tolle dabei ist die Raterei. Während wir beim ersten Mal ganz viele Geräusche zusammen aufgenommen haben, wollen wir beim nächsten Mal versuchen einzelne Geräusche aufzunehmen. Dabei fällt es einigen Kindern schwer, den Mund zu schließen, während die Aufnahme läuft. Jeder Projekttag beginnt mit einer Wiederholung dessen, was wir gemacht haben, so werden die Kinder mutiger, überwinden anfängliche Zweifel und bauen die Technik schnell selber zusammen. Im Gruppenprozess erarbeiten wir immer wieder, wo welches Gerät angeschlossen wird.

    In der dritten Phase geht es an die Entstehung der Beiträge für eine Sendung. In der großen Runde stellt jedes Kind sich vor und erzählt von den Dingen, die es am Vortag zu Hause erlebt hat. So schult sich das freie Reden und die Scheu, etwas falsches zu sagen, wird schnell überwunden.
    Die Kinder messen mit ihrer eigenen Faust den Abstand des Mikrophones zum Mund und sprechen ins Mikrophon, wer sie sind und wo sie wohnen. Gemeinam werden die Aufnahmen aller Kinder angehört. Einige empfinden es als ungewohnt bis komisch sich selber zu hören. Es ist sofort zu merken, wer zu Hause schon einmal selber mit den Eltern etwas aufgenommen hat. Im Laufe der kommenden Projekttage entstehen unterschiedliche kurze Beiträge - Tierrätsel, Lieder werden gesungen, Wünsche an Waldbesucher aufgesprochen, der Hörer über das richtige Verhalten im Wald aufgeklärt. Simon hat sich anfänglich überhaupt nicht getraut ins Mikrophon zu sprechen, die Mutter berichtete vom schlechten Schlaf des Kindes und Träumen. Simon hat seine Ängste soweit überwunden, dass er sogar ein Lied aufs Band gesungen hat. Freiwillig kam er zum Ende der Projekttage auf mich zu, um mir beim Wegräumen der Technik zu helfen. Am Ende des Projektes haben die zurückhaltenden Kinder ihre Furcht überwunden.

    Nachbereitung
    Die einzelnen Beiträge werden auf einen Produktionsrechner gespielt und von den Erzieherinnen mit meiner Unterstützung zur Sendung verarbeitet. Auf Musik von CD wird bewusst verzichtet. Wir wollen die Sendung so natürlich wie möglich lassen. Die Kinder selber sollen zur Geltung kommen und nicht von der Musik überschattet werden. Beim Bearbeiten der Aufnahmen war uns vor allem wichtig, die Charaktere der Kinder zu erhalten.

    Nach der Fertigstellung der Sendung stand bei den Kindern immer noch die Frage im Raum, "wie kommmt die fertige Kassette nun ins Radio?" Durch den Besuch im Sender konnte ich den Kindern den Weg anschaulich darstellen. Ich habe ihnen gezeigt, wie die Aufnahme von der Kassette auf den Computer kommt. An einem Beispiel ihrer Aufnahme habe ich veranschaulicht, wie die Aufnahme verändert werden kann. Die fertige Sendung wurde auf CD gebrannt. Wir haben uns angehört, ob auf der CD das Gleiche wie im Computer zu hören ist. Damit hatten wir das fertige Produkt in der Hand. Mit der CD sind wir zur Sendeabicklung gegangen und ich habe den Kindern gezeigt, wo mein Kollege am nächsten Tag die CD reinlegt, wenn wir vor dem Radiogerät sitzen. Zum Verständnis haben wir kurz ins Band der nächsten Sendung im Tagesbetrieb gehört, die ich kurz darauf in der Sendeautomation gestartet habe. Nun konnten die Kinder am Radio hören, dass genau das eben von Band gespielte jetzt im Radio zu hören war. So kommt die Kassette ins Radio.

    Einen Tag nach dem Besuch im Sender haben wir uns bei der Leiterin des Kindergartens zu Hause getroffen und um das Radiogerät gesessen. Unsere Sendung startete pünklich. Die Kinder waren ganz aufgeregt. Amelie hat sich die Ohren zu gehalten. Rene war ganz stolz doch noch etwas gesagt zu haben. Und Sebastian hörte man des öfteren sagen:..."das bin ja ich." Als Luzi sich selber im Radio sagen hörte, dass sie drei Jahre alt sei, protestierte sie ganz schnell und antwortete: "Stimmt nicht, ich bin jetzt vier."
    Zum Abschluss des Projektes haben wir noch mal alles in Erinnerung gerufen, was wir in den letzten Wochen gemacht haben. Eine CD mit der ersten eigenen Sendung des Waldkindergartens Burg gab es zum Abschied für jedes Kind.

    Ihre Ansprechpartnerin: Meike Eggers
    Landvogt-Johannsen-Str. 11
    25746 Heide Chemnitz
    Tel.: (0481) 33 33
    Fax: (0481) 32 39
    E-Mail:
    info@okwestkueste.de
    Internet: www.okwestkueste.de

    Meike Eggers, Heide



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